Könner des Monats: Else Hykel


Mit 95 noch hinter dem Tresen

Frankenberg (rou). Die Spielwarenabteilung im Obergeschoss der Buchhandlung am Bahnhof ist ihr Leben: Auch mit 95 Jahren steht Else Hykel noch regelmäßig hinter dem Tresen – aber noch lieber davor, wenn sie Eltern beraten und Kindern ihre Wünsche erfüllen kann.
„Was soll ich zu Hause sitzen, die Wand anschauen und Trübsal blasen", lautet der Wahlspruch der Seniorin, die Kauffrau durch und durch ist. Denn bis ins hohe Alter hinein ist für Else Hykel die Behandlung jedes einzelnen Kunden wie einen König eine absolute Selbstverständlichkeit geblieben. Und deshalb ist es auch nicht selten, dass Eltern zum Einkaufen zu Hykels kommen, die vor Jahrzehnten, als sie selber noch Kinder waren, bereits in dem Familienbetrieb eingekauft haben.
Kauffrau durch und durch: die 95-jährige Else Hykel. (Foto: pr)
In Bärn im Sudetenland am 3. Februar 1914 geboren, heiratete Else Hykel den Buchdrucker und Buchhändler Gernot Hykel, mit dem sie zusammen ab 1936 eine Buch- sowie Papierwarenhandlung am Ort führte.

Nach der Vertreibung gelangte die Familie mit den vier Töchtern 1946 nach Röddenau. Während ihr Mann die heute noch bestehende Buchhandlung am Bahnhof gründete, leitete sie mit Herz und Verstand die Filiale in der Neustädter Straße. 1995 gab die Familie Hykel nach 48 Jahren das Geschäft in der unteren Fußgängerzone auf. Else Hykels Enkel, Rüdiger Richter, übernahm 1999 die Buchhandlung am Bahnhof. Und er zählt bis heute auf die Ratschläge derOma: vor allem bei Spielwaren.

Mit 95 Jahren noch immer für ihre Kunden da


Jubilarin Else Hykel ist bis heute in „ihrer" Spielwarenabteilung in der Buchhandlung am Bahnhof anzutreffen


Else Hykel erblickte am 3. Februar 1914 in Bärn im Sudetenland das Licht der Welt. In jungen Jahren heiratete sie den Buchdrucker und Buchhändler Gernot Hykel, mit dem sie zusammen ab 1936 die vier Jahre zuvor gegründete Buch- und Papierwarenhandlung am Ort führte. Wichtige Grundlage war dabei ihre Ausbildung zur Kontoristin, durch die sie kaufmännische Kenntnisse mit in den Betrieb einbrachte.

Nach der gewaltsamen Vertreibung aus dem Sudetenland gelangte die Familie mit ihren vier kleinen Töchtern im Juli 1946 nach Röddenau. Auch dort blieben Else und Gernot Hykel nicht tatenlos. Bereits Anfang 1947 bauten sie sich aus dem Nichts heraus eine neue Existenz auf. Unter dem Wenigen, was man aus der Heimat retten konnte, hatte Else Hykel vor allem eines mit ins Ungewisse genommen: die Adressen der Firmen, die die Buchhandlung schon im Sudetenland beliefert hatten und die ihren Geschäftspartner auch in der jungen Bundesrepublik nicht im Stich ließen, um das ländlich geprägte Frankenberg mit Lesestoff und Schreibwaren zu versorgen.

Gemeinsam mit den Töchtern wurde die Firma aufgebaut. Während Else Hykels Mann die heute noch bestehende Buchhandlung am Bahnhof gründete, leitete Else Hykel mit Herz und Verstand die Filiale in der Neustädter Straße 4, welche weit über die Grenzen der Stadt hinaus als „Das Spielzeugparadies” bekannt und beliebt war.

Neben dem Sinn für das Geschäftliche blieb Else Hykel ihrer alten Heimat immer verbunden. Kaum ein Heimattreffen wurde versäumt und die Familie Hykel setzte sich auch weiterhin mit viel Engagement für die Belange der Sudentendeutschen ein. Bis ins hohe Alter von 85 Jahren führte die rüstige Seniorin nach dem Tod ihres Mannes in 1984 die Firma weiter.

Im Sommer 1995 hat die Familie Hykel nach 48 Jahren die Geschäftsräume in der unteren Fußgängerzone – heute Tchibo – aufgegeben. Zu lange hatte das Geschäft zuvor wegen einer Renovierung durch den Hauseigentümer schließen müssen, erklärt Rüdiger Richter. Er ist einer der Enkel der Jubilarin und übernahm 1999 von seiner Großmutter die Buchhandlung am Bahnhof. Das Geschäft führt Richter seitdem weiter unter dem Namen seines Großvaters.

Bis heute ist Else Hykel in „ihrer” Spielwarenabteilung im Obergeschoss zu finden, wo man sie über Generationen hinweg kennt und ihr Wissen, selbst um kleinste Kleinigkeiten, schätzt. „Was soll ich zu Hause die Wand anschauen und Trübsal blasen – das Geschäft ist mein Leben”, lautet der Wahlspruch der rüstigen 95-Jährigen.

Zu ihrem Geburtstag gratulierten neben den Töchtern auch vier Enkel und sechs Urenkel, Bürgermeister Christian Engelhardt und Manfred Kreuzer vom Kreisverband des Bundes der Vertriebenen, dem Else Hykel seit ihrer Gründung angehört. Von der Ortsgruppe und im Auftrag des Heimatkreises Bärn schlossen sich Dagmar Adomeit und Walter Theimer den Glückwünschen an und zeichneten das Geburtstagskind mit der goldenen Ehrennadel für ihre langjährigen Verdienste aus. Auch die Frankenberger Zeitung schließt sich den Glückwünschen zum Geburtstag an.

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