Einsteiger des Monats: Sebastian Christ


Christs erster Roman

Frankenberg (jos). Vom Journalisten zum Buchautor: Sebastian Christ hat einen Roman geschrieben. Das „Erstlingswerk" des gebürtigen Frankenbergers erscheint bei dem bekannten Publikumsverlag Goldmann – und verspricht aus Sicht der Herausgeber, ein echter Erfolg zu werden. Goldmann jedenfalls bewirbt den Roman des 27-Jährigen im Internet mit dem Fazit: „So ehrlich und authentisch hat noch niemand die Situation gut ausgebildeter Berufseinsteiger dargestellt."
Der Titel des Buches lautet „…und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute! Ein Leben als Praktikant". Christ erzählt die Geschichte eines Praktikanten, der an einem gewissen Punkt anfängt zu zweifeln.
Sebastian Christ.(Foto: pr)
Der Protagonist Jan Hesse stellt sich die Frage, ob es richtig ist, sein komplettes Privatleben aufzugeben – für einen möglichst erfolgversprechenden Lebenslauf.
Christs eigener Lebenslauf kann sich sehen lassen: An seinem Berufsziel Journalist hat er schon während seiner Schulzeit in Frankenberg gearbeitet, nach verschiedenen Stationen auf der ganzen Welt und mehreren Auszeichnungen ist er mittlerweile Hauptstadtredakteur bei stern.de. Erscheinungstermin des Romans ist der 1. Mai.

Ein Praktikant reist, ohne anzukommen



Sebastian Christs eigener Lebenslauf ist „glatt". An seinem Berufsziel Journalist hat er schon während seiner Schulzeit in Frankenberg gearbeitet, nach verschiedenen Stationen in der ganzen Welt ist er mittlerweile Hauptstadtredakteur bei stern.de. Autobiografisch sei sein -erstes Buch dennoch nicht, betont der junge Autor im Gespräch mit WLZ-FZ. „Was mein Protagonist erlebt, das habe ich so nicht erlebt", erklärt Christ. Das was er in seinem ersten Buch beschreibt, ist dennoch sehr nah an der harten Realität junger Leute, die kurz vor dem Einstieg ins Berufsleben stehen
.Christ erzählt die Geschichte eines Praktikanten, der an einem gewissen Punkt anfängt zu zweifeln. Der Protagonist Jan Hesse stellt sich die Frage, ob es richtig ist, sein komplettes Privatleben aufzugeben – für einen möglichst erfolgversprechenden Lebenslauf. Für die Nähe der Geschichte zu Christs eigener Vita gibt es aus der Sicht des Autoren einen einfachen Grund: „Man schreibt nie ins Leere hinein. Es ist die Verarbeitung und Weiterentwicklung dessen, was man erlebt."
Sebastian Christ: „...Und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute! Ein Leben als Praktikant", 176 Seiten, 7,95 Euro, ISBN 978-3-442-15565-1, Erscheinungstermin: 1. Mai 2009.
Zunächst unsicher

Christ war sich zunächst sehr unsicher. „Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, ob das etwas taugt, was ich da geschrieben habe", erklärt der 27-Jährige. Über seine journalistische Arbeit war ein Literaturagent in Berlin auf den ehemaligen Edertalschüler aufmerksam geworden. „Er war lange bei einem großen Verlag tätig und hat ein Auge für das, was eine gute Geschichte ausmacht, und dafür, ob ein Text entwicklungsfähig ist", sagt Christ. Seinen Text fand der Berliner Literaturagent offensichtlich gut. Denn er hat das erste Manuskript zusammen mit Sebastian Christs Lebenslauf verschiedenen Verlagen präsentiert.

Dass so ein großer Publikums-Verlag wie Goldmann „angebissen" hat, könnte den jungen Autoren Sebastian Christ überaus stolz machen. „Stolz ist das falsche Wort", betont der gebürtige Frankenberger. „Aber es bestätigt einen." 

Die Geschichte von Jan Hesse spielt sich zu einem großen Teil in der Redaktion des Hamburger „Kinomagazins" ab, das Christ als Symbol für viele große Redaktionen nutzt, in denen sich Praktikanten bis über die Grenze des Erträglichen ausbeuten lassen. Werden sich reale Personen in dem Buch wiedererkennen? „Nein, auf keinen Fall", sagt Christ.

Geschichte übertragbar

Der junge Autor betont, dass die Geschichte auf viele andere Branchen übertragbar sei – denn nicht nur bei den Verlagen erledigen unterbezahlte oder gar nicht honorierte Praktikanten die Arbeit, für die sich andere zu schade sind.

Christ erhebt in seinem Buch keinen moralischen Zeigefinger. Er stellt dar und gibt dabei spannende Einblicke in das Gefühlsleben eines Praktikanten, der rastlos von Stadt zu Stadt zieht und noch bevor er irgendwo wirklich ankommt, seine Koffer schon wieder für die ­Weiterreise packt. Er selber ist in seinem Leben zwar auch schon oft umgezogen, und doch war Christ im Vergleich zu seiner Roman-Figur in gewisser Weise „privilegiert", wie er selbst sagt. Durch sein Studium an der Journalistenschule in München und seine Teilnahme an der Journalistenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung hat der Wahl-Berliner seine Praktika „vermittelt" bekommen und nach eigener Schilderung mit seinen Arbeitgebern auch ­immer Glück gehabt. „Aber ich weiß ganz einfach aus Erzählungen von vielen Bekannten, wie schlecht man es als Praktikant treffen kann", erklärt Christ. Und aus Sicht des Autoren ist eine Besserung kaum in Sicht. „Solange es einen so großen Markt an Praktikanten gibt, die bereit sind, so viel zu opfern, wird es auch diesen Druck geben." Aus seiner Sicht ist es nicht mal die finanzielle Ausbeutung, die das Praktikanten-Dasein mitunter so unerträglich macht. Es sei vielmehr der große Druck, dem man ständig ausgesetzt werde.

Nicht mehr bieten lassen

Erst wenn es bei der jungen Generation einen „Bewusstseinswandel" gebe und sich Praktikanten vieles einfach nicht mehr bieten ließen, könnten sich aus Christs Sicht die Bedingungen verbessern. „Vielleicht sollte der Gesetzgeber aber auch einen Praktikanten-Mindestlohn einführen", sagt der Autor. Sein Verlag bewirbt die Veröffentlichung von „...Und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute" im Internet bereits mit der Verheißung: „So ehrlich und authentisch hat noch niemand die Situation gut ausgebildeter Berufseinsteiger dargestellt."

Frankenberg verbunden

Wie sehr sich Christ mit seiner Heimat Frankenberg verbunden fühlt, wird auch in dem Buch deutlich. Denn wie es der Zufall will, stammt Jan Hesse aus einer Kleinstadt in Nordhessen, ganz in der Nähe von Marburg. Auch wenn der Name Frankenberg nicht fällt, ist klar, dass die Ederstadt die Heimat des Protagonisten ist. Und so ist das Erstlingswerk nicht nur eine ebenso unterhaltsame wie aufschlussreiche Lektüre für Praktikanten, Studenten und Berufseinsteiger – sondern auch für alle, die das Frankenberger Land genauso gerne haben wie Sebastian Christ.

Wenn Sie noch Fragen oder Kommentare zu "Menschen 2009" haben, schreiben Sie uns:

Waldeckische Landeszeitung
Lengefelder Str. 6
34497 Korbach
oder E-Mail menschen2009@wlz-fz.de

Hinweis: Diese Seite ist ein Service von WLZ-FZ.de · © Design WLZ-FZ.de 2009 · Alle Angaben sind ohne Gewähr! Wir übernehmen keine Verantwortung für den Inhalt verlinkter Seiten!