Zunächst unsicher
Christ war sich zunächst sehr unsicher. „Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, ob das etwas taugt, was ich da geschrieben habe", erklärt der 27-Jährige. Über seine journalistische Arbeit war ein Literaturagent in Berlin auf den ehemaligen Edertalschüler aufmerksam geworden. „Er war lange bei einem großen Verlag tätig und hat ein Auge für das, was eine gute Geschichte ausmacht, und dafür, ob ein Text entwicklungsfähig ist", sagt Christ. Seinen Text fand der Berliner Literaturagent offensichtlich gut. Denn er hat das erste Manuskript zusammen mit Sebastian Christs Lebenslauf verschiedenen Verlagen präsentiert.
Dass so ein großer Publikums-Verlag wie Goldmann „angebissen" hat, könnte den jungen Autoren Sebastian Christ überaus stolz machen. „Stolz ist das falsche Wort", betont der gebürtige Frankenberger. „Aber es bestätigt einen."
Die Geschichte von Jan Hesse spielt sich zu einem großen Teil in der Redaktion des Hamburger „Kinomagazins" ab, das Christ als Symbol für viele große Redaktionen nutzt, in denen sich Praktikanten bis über die Grenze des Erträglichen ausbeuten lassen. Werden sich reale Personen in dem Buch wiedererkennen? „Nein, auf keinen Fall", sagt Christ.
Geschichte übertragbar
Der junge Autor betont, dass die Geschichte auf viele andere Branchen übertragbar sei denn nicht nur bei den Verlagen erledigen unterbezahlte oder gar nicht honorierte Praktikanten die Arbeit, für die sich andere zu schade sind.
Christ erhebt in seinem Buch keinen moralischen Zeigefinger. Er stellt dar und gibt dabei spannende Einblicke in das Gefühlsleben eines Praktikanten, der rastlos von Stadt zu Stadt zieht und noch bevor er irgendwo wirklich ankommt, seine Koffer schon wieder für die Weiterreise packt. Er selber ist in seinem Leben zwar auch schon oft umgezogen, und doch war Christ im Vergleich zu seiner Roman-Figur in gewisser Weise „privilegiert", wie er selbst sagt. Durch sein Studium an der Journalistenschule in München und seine Teilnahme an der Journalistenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung hat der Wahl-Berliner seine Praktika „vermittelt" bekommen und nach eigener Schilderung mit seinen Arbeitgebern auch immer Glück gehabt. „Aber ich weiß ganz einfach aus Erzählungen von vielen Bekannten, wie schlecht man es als Praktikant treffen kann", erklärt Christ. Und aus Sicht des Autoren ist eine Besserung kaum in Sicht. „Solange es einen so großen Markt an Praktikanten gibt, die bereit sind, so viel zu opfern, wird es auch diesen Druck geben." Aus seiner Sicht ist es nicht mal die finanzielle Ausbeutung, die das Praktikanten-Dasein mitunter so unerträglich macht. Es sei vielmehr der große Druck, dem man ständig ausgesetzt werde.
Nicht mehr bieten lassen
Erst wenn es bei der jungen Generation einen „Bewusstseinswandel" gebe und sich Praktikanten vieles einfach nicht mehr bieten ließen, könnten sich aus Christs Sicht die Bedingungen verbessern. „Vielleicht sollte der Gesetzgeber aber auch einen Praktikanten-Mindestlohn einführen", sagt der Autor. Sein Verlag bewirbt die Veröffentlichung von „...Und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute" im Internet bereits mit der Verheißung: „So ehrlich und authentisch hat noch niemand die Situation gut ausgebildeter Berufseinsteiger dargestellt."
Frankenberg verbunden
Wie sehr sich Christ mit seiner Heimat Frankenberg verbunden fühlt, wird auch in dem Buch deutlich. Denn wie es der Zufall will, stammt Jan Hesse aus einer Kleinstadt in Nordhessen, ganz in der Nähe von Marburg. Auch wenn der Name Frankenberg nicht fällt, ist klar, dass die Ederstadt die Heimat des Protagonisten ist. Und so ist das Erstlingswerk nicht nur eine ebenso unterhaltsame wie aufschlussreiche Lektüre für Praktikanten, Studenten und Berufseinsteiger sondern auch für alle, die das Frankenberger Land genauso gerne haben wie Sebastian Christ.