Stimmungsmacher des Monats: Hans Kurylas


Stimme des Sees


Frankenau-Altenlotheim. Nicht länger jammern, sondern juristische Wege finden: Mit diesem Vorsatz machte sich Hans Kurylas aus Altenlotheim Anfang Juli ans Aktenstudium. „Ich will die Stimme des Edersees sein", erklärte der 68-Jährige. Um das Austrocknen des Edersees zu verhindern, hat er im Juli eine Verfügung gegen das Wasser- und Schifffahrtsamt in Hannoversch Münden beantragt.

Die wurde zwar kürzlich abgelehnt, aufgeben will Hans Kurylas aber nicht. „Ich habe viele Jahre lang als EU-Beauftragter Entwicklungshilfe in fernen Ländern geleistet", erklärt er, „jetzt ist die eigene Heimat dran." Ein Klageverfahren gegen die Bundesrepublik läuft noch, weitere juristische Schritte hat er bereits angedacht. Dabei beruft er sich nicht nur auf die Gesetzsammlung für die königlichen preußischen Staaten von 1905, sondern inzwischen auch auf den Naturschutz. „Ich habe dem Edersee versprochen, dass er wieder gesund wird", sagt Kurylas, „und das werde ich auch halten."(resa)
Hans Kurylas mit Fotosammlung


„Ich will die Stimme des Edersees sein"


Hans Kurylas aus Altenlotheim klagt wegen des niedrigen Wasserstandes gegen das Wasser- und Schifffahrtsamt


Vöhl-Herzhausen. Die Politik mit ihren eigenen Waffen schlagen: Hans Kurylas aus Altenlotheim hat sich viel vorgenommen. Im Juni reichte er Klage gegen das Wasser- und Schifffahrtsamt ein – um den Edersee zu retten.

Jeden Morgen um halb sechs macht sich Hans Kurylas auf den Weg von Altenlotheim nach Herzhausen. Im Gepäck hat er dann seinen alten Fotoapparat und ein Notizbuch. „In Herzhausen herrscht dann vollkommene Ruhe", erzählt der 68-Jährige, „nur die Schwäne und die Angler ziehen auf dem See lautlos ihre Bahnen."

Doch die Ruhe trügt: „Ich kämpfe jetzt", sagt Hans Kurylas, „ich will die Stimme des Edersees sein." Denn die Notizen in seinem Büchlein und über 200 Fotos an seiner Pinnwand zeigen eines ganz deutlich: „Der See verliert immer mehr Wasser!"
Das Geheimnis liegt im ausgeklügelten Konzept: Seit zwei Monaten sammelt Hans Kurylas Fotos vom Edersee und führt Buch über die Wasserstandsentwicklung. Die Ergebnisse heftet er in seinem Arbeitszimmer an die Wand. Am 30. Juni reichte er Klage gegen das Schifffahrtsamt ein. Foto: Theresa Demski
Das ist keine neue Erkenntnis, seit vielen Jahrzehnten kämpfen die Menschen am Edersee gegen die Politik des Wasser- und Schifffahrtsamts in Hannoversch Münden. „Es wird Zeit, dass wir uns mit rechtlichen Schritten wehren", findet Kurylas und hat am 30. Juni beim Amtsgericht in Korbach Klage gegen die Betreiber der Edertalsperre eingelegt. Das verwies sein Schreiben nach Fritzlar, von dort aus erreichte es das Verwaltungsgericht in Kassel.

Kurylas will die Politik mit ihren eigenen Waffen schlagen und glaubt an seinen Erfolg. „Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass ein gutes Konzept zum Ziel führt", sagt er und denkt an manch eine Auslandsmission in den vergangenen 30 Jahren. Ab 1973 setzte sich der Diplomlandwirt als Sachverständiger für internationale Beziehungen ein, lebte fünf Jahre in Asien, dann zwei Jahre in Ägypten und erreichte schließlich mit Frau und sechs Kindern Frankenau. 1990 schickte ihn die EU nach Polen, in vielen Ländern wurde er fortan in der Entwicklungshilfe eingesetzt. Seine Erlebnisse hielt er in zwei Romanen über Afghanistan fest.

„Nun wird es Zeit, Einsatz für die heimische Natur zu zeigen", ist sich Kurylas sicher. Großes Interesse für den Edersee habe er in den vergangenen Jahren nicht gehabt. „Dann bin ich mit den Menschen am See ins Gespräch gekommen, mit Anglern, Touristen, Hoteliers, mit Kapitän Wilfried Meyer und schließlich mit einer kleinen Schwanfamilie", erzählt Kurylas. Überall sei er auf Sorgen getroffen. „Und da wusste ich, es wird Zeit, Barrieren zu überwinden", sagt er. Also sei er in die Frankenberger Stadtbücherei gefahren und habe sich mit allerlei Material über den See versorgt. „Immer wieder las ich von einem uralten Gesetz, mit dem seit jeher die Versorgung der Weser gerechtfertigt wird", erinnert er sich und stieß damit auf seine Lieblingsdisziplin. Er habe sich schon immer für Rechtswissenschaften interessiert, viel darüber gelesen und sei so zum Hobby-Juristen geworden. Kein Wunder also, dass er die besagte Gesetzsammlung für die königlich-preußischen Staaten von 1905 genauer unter die Lupe nahm. „Ich suchte nach dem Haar in der Suppe und ich fand es", sagt Kurylas, „nun biete ich eine neue Interpretationsmöglichkeit an."

In dem preußischen Gesetz nämlich, das bis heute seine Gültigkeit nicht verloren hat, spricht Wilhelm II. von der Verbesserung der Landeskultur durch die Talsperren. „Wir haben also einen Anspruch auf einen vollen Edersee", ist Kurylas sicher. Mit einem Eilverfahren will er das Ablassen großer Wassermengen aus dem See kurzfristig stoppen. In den nächsten Wochen soll die Entscheidung darüber fallen. Gleichzeitig läuft ein Klageverfahren gegen das Schifffahrtsamt in Hannoversch Münden und neuerdings auch gegen die Bundesregierung. „Außerdem habe ich Strafanzeige bei der Polizei gestellt", sagt Kurylas.

Auf 5000 Euro wurde der Streitwert des Verfahrens inzwischen festgesteckt – eine Kostenbefreiung hat Kurylas bereits beantragt. „Schließlich will ich am Ende nicht auf immensen Kosten sitzen bleiben", sagt der Altenlotheimer. Ein reger Schriftverkehr hat sich seitdem mit dem Kasseler Verwaltungsgericht ergeben – eine Stellungnahme aus Kassel gibt es während des laufenden Verfahrens nicht. „Ich will, dass sich noch in diesem Jahr etwas tut", betont Kurylas, „und ich werde keine Ruhe geben."

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