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Eigentlich wollte sie nur ein Zimmer aber daraus wurde ein ganzes Haus. Sonja Lehmann ist von Kassel aufs Land gezogen und renoviert mit Herzblut ein 250 Jahre altes Wohnhaus mit Stall und Scheune.
Edertal-Anraff. In einer Zeit, wo junge Familien das neue Eigenheim am Ortsrand vorziehen und sich Dörfer um zunehmenden Leerstand im Dorfkern sorgen, geht Sonja Lehmann genau den umgekehrten Weg.
Aufgewachsen in Lohfelden verschlug sie ihr Musikstudium zunächst nach Kassel, Darmstadt und Frankfurt. Ein Job beim Anraffer Kanuverleih führte die Musiklehrerin dann in den Edertaler Ortsteil.
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Dort ist sie seit einigen Jahren sesshaft geworden. „Eigentlich wollte ich nur ein Zimmer mieten, aber daraus wurde ein ganzes Haus", lacht die Cellistin. Sie kaufte im Jahr 2002 ein im Jahr 1759 erbautes Wohnhaus mit Scheune und Stall. „Es war sanierungsbedürftig vom Keller bis unters Dach", wusste die Erwerberin. Gerade das war die Herausforderung. „Ich bin ein Macher und muss aktiv sein", nennt sie ihre Motive. „Ein Neubau war für mich kein Thema."
Baupause vor Konzerten
Die notwendigen Kenntnisse zur Restaurierung eines Fachwerkhauses holte sich die junge Frau mühsam ein von anderen Hausbesitzern, aus Büchern, von Architekten und Handwerkern und wurde schnell mit Arbeitsgeräten und Maschinen für den Bau vertraut. Nach dem Unterricht in den Musikschulen in Bad Wildungen und Vellmar legte sie das Cello zur Seite und nahm Bohrmaschine und Schleifhexe in die Hand.
Einen Großteil der Arbeiten erledigte sie in eigener Regie, bei schweren Arbeiten freute sie sich über Hilfe. „Meist waren mehr Helfer da, als ich überhaupt angesprochen hatte", lacht die Hausbesitzerin und bekennt offen: „Ohne die Nachbarn hätte ich es nicht geschafft." Anfangs wohnte sie noch in Kassel, zog dann aber in einen Bauwagen direkt an ihre Baustelle um.
Im Keller waren Grundmauern eingestürzt, drei Außenwände sind ausgetauscht, gebrochene Eichenbalken repariert worden. Glücklicherweise gab es bei den schweren Bauarbeiten nur kleinere Blessuren. „Vor größeren Konzerten habe ich immer eine Baupause eingelegt", deutet die Musikerin an. Viel Vergnügen bereitete ihrer Helfertruppe das Verfüllen des Fachwerks mit Lehm. „Den Bewurf im Rhythmus, wie es in der Fachsprache heißt, haben wir wörtlich genommen." Mit der Rezeptur für den Putz ging sie dann an der Fassade ans Werk.
Ende in weiter Ferne
Nach sieben schweißtreibenden Jahren hat sich Sonja Lehmann im renovierten Untergeschoss gemütlich eingerichtet. Die Fensterbänke aus Holz sind aus alten Laufbohlen vom Dachboden angefertigt. „Ich verwende viel vorhandenes Material." Neben den Katzen Kalli, Zwirbel und Chilli sind auch zwei Pferde eingezogen in das Domizil.
Noch ist erst ein Teil des Hauses saniert und das Ende der Restaurierung noch in weiter Ferne. „Aber es geht in kleinen Schritten stetig voran", ist Sonja Lehmann zuversichtlich. Mit Nachbarn und Freunden, die bei der Sanierung angepackt haben, hat die 40-Jährige kürzlich ein Fest gefeiert: Den 250. Geburtstag ihres Hauses, das im hohen Alter noch eine Schönheitskur erlebt.
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