Könner des Monats: Bodo Specht


Feurige Innovation aus Hatzfeld


Frankenberg. Wer einen von Bodo Spechts Kaminöfen in seinem Wohnzimmer stehen hat, sieht die Flamme doppelt – und das liegt nicht zwingend am übermäßigen Genuss alkoholischer Getränke. In den modernen Xeoos-Öfen des Hatzfelder Ofenherstellers Specht lodern tatsächlich zwei Flammen. Es gibt zwei übereinanderliegende Feuerräume. Im unteren werden die Abgase aus dem oberen verbrannt. Das ist nicht nur schön warm, sondern auch besonders effizient, schadstoffarm – und überaus innovativ.

Für diese Erfindung wurden Specht und sein Unternehmen mit Sitz in Reddighausen Ende Oktober von Ministerpräsident Roland Koch als „Hessen-Champion" in der Kategorie „Neue Produkte und Entwicklungen" ausgezeichnet. Specht hat die Firma zusammen mit seinem Vater 2002 gegründet, sie ist quasi ein Ableger von Specht Stahl- und Apparatebau, die unter anderem Transportgestelle und Lagerbehälter für die Autoindustrie herstellt.
Bodo Spechts Firma ist ein „Hessen-Champion".Foto: Archiv
22 Mitarbeiter arbeiten in dem Betrieb. Der Xeoos-Ofen wird komplett in Reddighausen produziert und auch die Zubehörteile kommen aus der Region. Inzwischen erwirtschaftet das Unternehmen die Hälfte des Umsatzes mit dem doppelflammigen Ofen. Dank Xeoos sei der Betrieb weniger abhängig von der Automobilindustrie, sagt Specht. Das sichere die Arbeitsplätze in Reddighausen.(mba)


„Es war wie bei der Oscar-Verleihung"


Firma Specht erhält Auszeichnung „Hessen-Champion" für innovativen Kaminofen


Das einmalige Konzept des Kaminofens „Xeoos", der in Reddighausen hergestellt wird, ist mit einer hohen Auszeichnung geehrt worden. Die Entwicklung hat Arbeitsplätze im oberen Edertal gesichert.

Hatzfeld-Reddighausen/Wiesbaden. „Das ist für uns etwas sehr Schönes", sagte Geschäftsführer Bodo Specht gestern gegenüber der WLZ-FZ. Damit sei die Arbeit der vergangenen Jahre belohnt worden. „Langsam werden wir bekannt." Specht nahm den Preis vor rund 1100 Gästen während des Hessischen Unternehmertags in Wiesbaden entgegen. Ministerpräsident Roland Koch, Professor Dieter Weidemann, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, und Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch ehrten die Preisträger.
Bodo Specht (rechts) und Mitarbeiter Busso Herlemann nahmen am Dienstagabend den Preis „Hessen-Champion" entgegen. Das Reddighäuser Unternehmen hatte in der Kategorie „Neue Produkte und Entwicklungen" den ersten Platz belegt.Foto: pr
Ausgezeichnet wurde das Hatzfelder Familienunternehmen für die Entwicklung und den Bau des Kaminofens „Xeoos", der Holz besonders effektiv verbrennt, einen hohen Wirkungsgrad erzielt und dadurch schadstoffarm ist. Seit 2002 ist der Ofen auf dem Markt, und inzwischen ist die Firma damit überaus erfolgreich.

Das Besondere: Nach dem Betätigen eines Hebels zieht der natürliche Schornsteinzug die Schwelgase nach unten und vermischt diese mit Zuluft. Dadurch entzündet sich das „zweite Feuer". Diese Bauart ermöglicht einen besonders hohen Wirkungsgrad – das Holz verbrennt nahezu komplett und hinterlässt kaum Asche – und extrem heiße Temperaturen von bis zu 1200 Grad, die auch Schadstoffe, die sonst durch den Schornstein rauchen, weitgehend verbrennen.

Dennoch sieht Bodo Specht noch Steigerungspotenzial. „Wir sind einer unter vielen und kämpfen auf einem Bereich, in dem hauptsächlich Billigprodukte im Baumarkt gekauft werden." Ein „Newcomer" habe es da schwer. „Man muss erst mal auf sich aufmerksam machen."

Das ist dem 22 Mitarbeiter zählenden Betrieb mit der Auszeichnung gelungen. Immerhin hat sich das „Xeoos"-Team gegen einige deutlich größere und umsatzstärkere Teams durchgesetzt. „Umso höher ist der Preis zu bewerten", sagt Bodo Specht. Ein Geldgewinn ist damit nicht verbunden, aber ein Jahr lang werden die Gewinner der unterschiedlichen Kategorien, also auch die Firma Specht, besonders beworben und stehen im Fokus der Öffentlichkeit.

Am Dienstagabend öffnete Ministerpräsident Roland Koch (CDU) dann den Umschlag am Rednerpult, um – wie bei einer Verleihung des Filmpreises Oscar – den Sieger zu nennen: Die Firma Specht ist ein „Hessen-Champion". „Das war sehr aufregend und sehr schön", erzählt Specht.

Er dankte seinen Mitarbeitern. „Es freut mich für die Belegschaft." Ursprünglich sei das Ziel gewesen, mit dem neuen Betriebszweig auch zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Das sei zwar nicht gelungen.

Angesichts der Wirtschaftskrise „können wir aber stolz sein, die bestehenden Arbeitsplätze zu halten", denn bis zu der Entwicklung des Ofens sei die Firma vor allem von der Automobilindustrie abhängig gewesen (siehe Kasten). Inzwischen wird mehr als die Hälfte des Umsatzes mit dem „Xeoos"-Produkt, das komplett in Reddighausen mit Zubehörteilen aus der Region gefertigt wird, erzielt.

Der Erfolg soll übrigens auch mit den Mitarbeitern gefeiert werden. Wie, ist noch nicht klar. „Aber wir machen noch was", verspricht Bodo Specht.

Den Preis in der Kategorie „Weltmarktführer" erhielt die Firma Sell aus Herborn, die Öfen, Küchen, Kaffeemaschinen und Wasserkocher für Passagierflugzeuge herstellt. In der Kategorie „Jobmotor" siegte die SMA Solar Technology AG. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 3000 Mitarbeiter und schuf 2008 rund 750 neue Arbeitsplätze. Unter den Gästen der Preisverleihung war auch der Waldeck-Frankenberger Wirtschaftsförderer Siegfried Franke.

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